Franz Bauer

Bauer – Kündgen Duo

Was passiert, wenn man einen Schritt macht? Eventuell macht man darauf den nächsten, und dann noch einen…

Harald Kündgen und Franz Bauer gehören zu den wenigen Virtuosen auf Vibra und Marimbaphon, die diese Instrumente zu ihrer musikalischen Hauptbeschäftigung gemacht haben. Da sie beide sonst in verschiedensten Projekten immer einzeln gefragt sind, ist es eine besonders spannende Herausforderung, diese Exoten, Musiker wie Instrumente, als Duo zu kombinieren.

Seit sie vor 4 Jahren damit begonnen haben, mit immer größeren Schritten musikalische Welten zu erforschen, wurde das Projekt immer bedeutender für die beiden. Kontinuierliche Konzerte bestätigen den Eindruck, dass die gemeinsamen Forschungen immer wieder beeindruckende Resultate zutage fördern und die klanglichen Vielfalt dieser beiden Instrumente schier unerschöpflich ist. So wie bei einem Tanzpaar auf dem Parkett, deutlich sichtbar an den virtuosen Bewegungen ihrer Schlägel ist ihre Musik noch intensiver hörbar, da zu jedem Klang auch immer Bewegung sichtbar ist.

„Some Other Dances“

Endlich hat das Bauer-Kündgen Duo seine erste, oft angefragte CD aufgenommen, die nicht anders heissen kann als: „Some other Dances“: Die tänzerisch folkloristische Atmosphäre in Dirk Strakhof’s „Zagreb“ empfindet man als für die Instrumentierung als sehr passend und ist umso erstaunter, wie überzeugend sich schwere Melancholie in Astor Piazzolla’s „Oblivion“, einer originalen Tangokomposition ausbreitet. Sphärenhaft, schwebendes in Franz Bauer’s Komposition „Air Dance“ oder flamencoeske Girlanden in Harald Kündgen’s „Spanish Odyssey“ zeugen ebenso von raffinierter Vielfalt wie interessant bearbeitete Jazz-Standards wie ‚A Night in Tunisia‘ oder ‚How deep is the Ocean‘.

Man freut sich eine CD zu hören, bei der man gerne genau hinhört, weil es dauernd Neues zu entdecken gibt und will die nächste Neuveröffentlichung auf keinen Fall verpassen!

„Das Vibraphon gehört schon seit den 1930er Jahren zum Jazz, als Lionel Hampton und Red Norvo es einführten. Doch die Zahl der Vibraphonisten ist immer überschaubar geblieben.

In Deutschland steht Wolfgang Schlüter seit Jahrzehnten in der ersten Reihe, der auch lange Zeit in der NDR Big Band spielte und mit einem ECHO und dem Albert Mangelsdorff Preis ausgezeichnet wurde. Jetzt hat er im Duo mit seinem langjährigen Pianisten Boris Netsvetaev eine intime Aufnahme vorgelegt, die die enge Verbundenheit der beiden widerspiegelt.

Das Programm besteht überwiegend aus Eigenkompositionen, die Schlüter sehr melodisch interpretiert. Netsvetaev begleitet nicht nur kongenial, sondern setzt auch gelungene solistische Höhepunkte, so etwa gleich im ersten Stück “Blues for Michael“, das Schlüter schwungvoll und inspiriert einleitet, oder in “Julchens Dilemma“.

Es wechseln sich Balladen und schnellere Stücke wie Tadd Dameron’s “Hot House“ ab, doch unabhängig vom Tempo besticht vor allem das harmonische Zusammenspiel des Duos.

Ein ähnliches Konzept verfolgen auch Harald Kündgen und Franz Bauer, allerdings in der Kombination Vibraphon – Marimba, die jeweils beide spielen. Die Aufnahme, die die beiden selbst gemacht haben, fasziniert durch die exzellente Klangqualität, die das gewaltige Obertonspektrum des Vibraphons wie auch die warmen Holztöne der Marimba miterleben lässt, als stände man direkt daneben. Diesen Wohlklang zelebrieren Bauer und Kündgen bei überwiegend mittleren bis langsamen Tempi in fünf Eigenkompositionen, aber auch in den Standards “How deep is the ocean“ und “Night in Tunisia“. Erfreulich, dass beide Aufnahmen das Potential des Vibraphons als zeitgenössischem Jazz-Instrument eindrücklich demonstrieren!“

Hans-Bernd Kittlaus 25.09.16